Anfang Jänner 1902 lud der Wiener Verein deutscher Vegetarier zum 1. Vegetariertag Österreichs, im folgenden Jahr trafen sich Vereinsvertreter/innen zum zweiten Mal in Wien. Bei den Vegetariertagen handelte es sich nicht um Informationsveranstaltungen für am Vegetarismus Interessierte, sondern um bewegungsinterne Treffen. Angesprochen waren all jene Organisationen, die im Bereich des Vegetarismus tätig waren. Neben dezidiert vegetarischen Vereinen waren das zum Beispiel Naturheilvereine oder spirituelle Gruppe wie die Theosophen. Ziel des Vegetariertags 1902 war die Verabschiedung eines gemeinsamen Leitbildes, im Jahr darauf hatte man sich die Gründung einer Dachorganisation vorgenommen. Die Wiener Vegetariertage 1902 und 1903 weiterlesen
Schlagwort-Archive: Geschichte
Bildmaterial zur vegetarischen Gastronomie um 1900
Feuilletonistische (und andere schriftliche) Beschreibungen vegetarischer Lokale (um die es im letzten Blogbeitrag ging) sind auch deswegen so wertvoll, da keine (bekannten) Fotos von Wiener vegetarischen Restaurants aus der Zeit vor den 1920er Jahren existieren.
Keine? Das ist nicht ganz korrekt. Es gibt Außensichten von Ramharters Lokal in der Wallnerstraße. Auch wenn auf diesen de facto nichts zu sehen ist, möchte ich sie trotzdem hier präsentieren – nicht zuletzt wegen eines ganz besonderen Schmankerls, auf das ich im Zuge meiner Recherchen nach Bildmaterial gestoßen bin. Bildmaterial zur vegetarischen Gastronomie um 1900 weiterlesen
Die Vegetarier im Wiener Feuilleton
Glaubt man dem Publizisten Johannes Ziegler, dann musste er all seinen Mut zusammennehmen, um gemeinsam mit drei Kollegen zwecks Lokalaugenschein ein vegetarisches Restaurant zu besuchen. Am 16. Dezember 1883 erschien sein Bericht über den Abstecher in die fleischlose Gastronomie im Feuilleton der Wiener Allgemeinen Zeitung. Der Zeitungsbeitrag ist einer von einer Handvoll aus den 1880er und 1890er Jahren, in denen sich Feuilletonisten (bzw. eine Feuilletonistin) der vegetarischen Gastronomie Wiens widmen – auf eine für jene Textgattung durchaus typische Art und Weise Die Vegetarier im Wiener Feuilleton weiterlesen
Die Sojabohne kommt nach Wien
Wer den Pausenfilm des Wiener Neujahrskonzerts gesehen hat, ist bereits informiert: Wien erinnert sich heuer an die Weltausstellung vor 150 Jahren. Von Mai bis November 1873 stellten im Prater Unternehmen, Branchenvertretungen und Länder Traditionelles und Innovatives aus, von Maschinen über Gebrauchsgegenstände bis zu Nahrungsmitteln. Erstmals auf einer Weltausstellung (jene in Wien war die fünfte) präsent war Japan. Ein eigens angelegter japanischer Garten wurde zum Publikumsmagnet. Unter den Ausstellungsstücken faszinierten besonders die Textilien und die als Souvenir angebotenen Fächer verkauften sich bestens1. Die Sojabohne kommt nach Wien weiterlesen
Die Herren Vegetarianer im Technischen Museum
Wenn es draußen drückend heiß ist (aber auch wenn es stürmt & regnet oder bei jeder anderen Witterung 😉 ) ist es das perfekte Wetter für einen Museumsbesuch. Aktuell in Wien besonders empfehlenswert ist die Ausstellung „Foodprints“ im Technischen Museum. Technik und Nachhaltigkeit in der Ernährung, das passt auch wunderbar zum Thema Vegetarismus um 1900. Daher hat es mich gefreut, dass ich einen Artikel zum Foodprints-Zine, dem Online Magazin zur Ausstellung, beisteuern konnte. Neben einer kurzen Übersicht zu den Gründen für eine fleischlose Ernährung werfe ich darin vor allem einen Blick auf zu jener Zeit neue vegetarische (Industrie-) Produkte.
Überrascht hat mich bei der Recherche, wie viele Objekte zum Thema (vegetarischer) Ernährung das technische Museum in seiner Sammlung archiviert hat, darunter Sojabohnen (!) und diverse Pflanzenfette sowie Werbematerial dazu.
Vorbeischauen lohnt sich, sei es online oder vor Ort!
Foodprints. Kann man das essen? Eine interaktive Ausstellung über Ernährung. Bis 28.8.2022 täglich von 10 bis 18 Uhr im Technischen Museum Wien in der (Äußeren) Mariahilfer Straße 212.
Vegetarische Küchenzettel
Küchenzettel lieferten in Stichworten Menüvorschläge ohne Rezepte. Ende des 19. Jahrhunderts als Anhang in Kochbüchern und als Rubrik in Zeitschriften beliebt, ist diese Gattung kulinarischer Texte heute nicht mehr gebräuchlich.
Schon bald, nachdem die Küchenzettel um 1900 in deutschsprachigen Zeitschriften Einzug gehalten hatten, erschienen auch vegetarische Varianten. Zum Beispiel schlugen die Redakteure des Neuigkeits Welt-Blatts 1895 ihren Leserinnen für die erste Aprilwoche grüne Erbsen mit gebackenen Semmelschnitten, Kohlrabi mit Kartoffelbällchen oder Linsenkoteletten mit Spinat vor1. Vegetarische Küchenzettel weiterlesen
Grosses Wiener Schnitzelessen
Das 1883 eröffnete Restaurant Thalysia etablierte sich rasch als beliebte Adresse für vegetarische Mahlzeiten. Über den Kreis seiner Gäste hinaus Bekanntheit erlangte der Wirt Ignaz Langenecker mit der Imitation von Fleischspeisen: Kraftbrühe, Schinkenfleckerl oder Schnitzel auf fleischloser Basis wurden zu einem seiner Markenzeichen und fanden wohl nicht nur in der Presse großen Anklang. Grosses Wiener Schnitzelessen weiterlesen
Thalysia – köstliche Werbung für den Vegetarismus
Im Frühling 1883 eröffnete Ignaz Langenecker das Restaurant Thalysia. Das Wiener Innenstadtlokal versorgte nicht nur bereits überzeugte Vegetarier/innen mittags und abends mit Mahlzeiten, sondern der Wirt zeigte sich kreativ und engagiert darin, das Interesse aller Wiener/innen an fleischloser Ernährung zu wecken. Seine vielfältigen Werbemaßnahmen stehen im Mittelpunkt dieses Blogbeitrags. Thalysia – köstliche Werbung für den Vegetarismus weiterlesen
Die Paketpost ist da!
Vegetarischer Versandhandel im 19. Jahrhundert
Kokosfett und Reformbutter, Vollkornmehl, Fruchtsäfte, aber auch Bücher und Haushaltsgeräte wie Getreidemühlen oder Saftpressen: Bevor Reformhäuser ab Mitte der 1890er Jahre ein breites Sortiment für Lebensreformer/innen unter einem Dach anboten, war der Versandhandel die hauptsächliche Bezugsquelle für die zunehmende Vielfalt vegetarischer Produkte. Die Paketpost ist da! weiterlesen
Achtung, Kunstbutter!
In der Wiener Küche wurde im 19. Jahrhundert hauptsächlich mit Schmalz gekocht und gebacken. Butter wurde vor allem aufgrund der schlechten Haltbarkeit, aber auch wegen des hohen Preises nicht häufig als Kochfett verwendet. Der Einsatz von Schmalz bedeutete, dass auch Suppen und Gemüsegerichte ohne Fleisch sowie Mehlspeisen nicht vegetarisch waren. Die Entwicklung von vegetarischen bzw. rein pflanzlichen Fetten im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts markiert daher einen Durchbruch für das vegetarische Leben und kann als Voraussetzung dafür gesehen werden, dass mehr Menschen eine Ernährung ohne Produkte von toten Tieren in Betracht zogen.
Landwirtschaftsvertreter hingegen machten mobil gegen die „Kunstbutter“, wie das Streichfett, das mit den unterschiedlichsten Rezepturen auf den Markt kam, anfangs genannt wurde.
Vegetarier/innen spielten in der öffentlichen Auseinandersetzung um Margarine & Co kaum eine Rolle, die dabei behandelten Aspekte wie zum Beispiel Hygiene oder Tierschutz zählten jedoch zu den zentralen Beweggründen für eine vegetarische Ernährung, weshalb der Blick auf die „Kunstbutter-Frage“ um 1900 auch für die Geschichte des Vegetarismus interessant ist. Achtung, Kunstbutter! weiterlesen
Skandal! Der vegetarische Maler (oder malende Vegetarier) Diefenbach
Kunst und Skandal – was wäre Wien um 1900 gewesen, ohne die unzähligen Auseinandersetzungen und Eklats beispielsweise um Klimts Fakultätsbilder oder die Gründung und Errichtung der Secession. Nicht ganz so berühmt, aber ebenfalls ein Aufreger war der Maler und Vegetarier Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913), der in den 1890er Jahren in Wien lebte und ausstellte. Skandal! Der vegetarische Maler (oder malende Vegetarier) Diefenbach weiterlesen
Soll der Vegetarier radeln?
Exzentrische Mode oder vernünftiges Verkehrsmittel? Diese Frage beschäftigte mit zunehmendem Fahrradaufkommen zahlreiche Menschen Ende des 19. Jahrhunderts. Auch Vegetarier/innen setzten sich mit dem Drahtesel auseinander. Vorteile und Bedenken fasste Otto Wenzel in seinem Beitrag Soll der Vegetarier radeln? in der Zeitschrift Vegetarische Warte im Frühling 1898 zusammen. Soll der Vegetarier radeln? weiterlesen
Happy Birthday Tierbefreier!
Der deutsche Verein Tierbefreier e.V. feiert heuer sein 35-jähriges Bestehen und hat aus diesem Anlass eine Jubiläumsausgabe des Magazins Tierbefreiung gestaltet. Ich durfte dafür einen Beitrag zu tierethischen Aspekten des Vegetarismus um 1900 schreiben. Happy Birthday Tierbefreier! weiterlesen
Vegetarisch digital: Das Magnus-Schwantje-Archiv
Eine beinahe unerschöpfliche Fundgrube für alle, die sich mit der Geschichte der Vegetarismus- oder Tierrechtsbewegung beschäftigen, ist das Magnus-Schwantje-Archiv, das Renate Brucker geschaffen hat und kostenlos allen Interessierten online zur Verfügung stellt. Vegetarisch digital: Das Magnus-Schwantje-Archiv weiterlesen
Vegetarisch digital in deutschen Bibliotheken
Nach dem virtuellen Abstecher nach Großbritannien werfe ich in diesem Blogbeitrag einen Blick auf die digitalen Bestände zum Thema Vegetarismus in deutschen Bibliotheken. Vegetarisch digital in deutschen Bibliotheken weiterlesen